Demokratie-Woche 24.6.2025
Referent: Dr. Jens Fleischhauer

Dieser mitreißende Vortrag führte unter den etwa 20 Zuhörenden schnell zu einer angeregten Diskussion über Reichsbürger und ihren Hintergrund.
Wie erkennt man sie? Wo ordnen sie sich ein? Welche Sprachmuster weisen auf sie hin? Sind sie gefährlich oder folgen sie einfach nur einem Trend?
Vermutungen schwirren durch den Raum. Jeder Zuhörer wird im Laufe des zweistündigen Vortrages zum interessierten Diskussionsteilnehmer.
Strukturiert, anschaulich ergänzt, entwickelt Dr. Fleischhauer das Bild der Reichsbürger in Deutschland. Dabei zeigt sich schon zu Beginn, wie eindrücklich Sprachanalyse öffentlicher Texte, treffende Hinweise auf die persönliche Einstellung des Schreibenden offenbaren und wie verdeckt, Täter mit Opferpositionen gewünscht gewechselt werden.
Die Reichsbürgerszene ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Corona und Verschwörungstheorien schufen zusätzlich einen fruchtbaren Boden für Ablehnung staatlicher Strukturen und Furcht vor Verfolgung.
Der Blick zurück auf das 2. Deutsche Reich (bis 1932), auf Kaiser, Vaterland und Preußentum, wird nun glorifiziert, der Nationalsozialismus gedanklich übersprungen und der Bundesrepublik Deutschland wird jegliche Souveränität abgesprochen. Ein kleiner Teil der Reichsbürger wehrt sich gewaltbereit, versammelt sich zum Kampf. Ab dann wird deutlich wie gefährlich diese systemzersetzende Vereinigung ist. Polizisten, andere Ordnungskräfte, Juristen, Gerichte werden als illegal abgelehnt – ihnen wird nicht mehr gefolgt. Lieber setzen einige ihr eigenes Königreich dagegen. Sie fälschen und drucken selbst Ausweise und Dokumente, da Pass und Personalausweis der BRD von Besatzungsmächten erzwungen worden seien.
Der Rechtsruck in Deutschland durch das Erstarken der AFD gibt ihnen Rückenwind ohne sie zu verschlucken.
An dieser Stelle des Vortrags angekommen, fragt jeder nach Lösungen. Der ein oder andere hat persönliche Berührungen mit Reichsbürgern oder zu denen, die ihnen nahestehen. Diskussionen mit ihnen sind nicht nur erfolglos, sondern auch kontraproduktiv, da sie mehr die ungewollte Position verstärken anstatt zu lindern. Schweigen will aber auch keiner!
Der Rat zum Schluss, Kontakt zu ihnen halten. Die Kommunikation „runterbrechen“ von der Denkrichtung hin zur persönlichen Krisensituation des anderen, die häufig der wirkliche Anlass ist, mit der Welt nicht zufrieden zu sein.
So sehr wir uns den demokratischen „Rundumschlag“ wünschen, um diese Menschen mit dem Staat zu versöhnen, so kleinschrittig, mühsam und mitfühlend wird unser Handeln nötig sein.
Dr. Fleischhauer hat sich sehr intensiv mit dem Thema befasst und zusammen mit weiteren Wissenschaftlern und einer Gruppe Studierender der Heinrich Heine Universität Düsseldorf eine Podcastreihe zum Thema Reichsbürger aufgebaut.
Interessant für alle, die dieses Thema weiter vertiefen möchten oder an diesem Abend nicht teilnehmen konnten findet Ihr hier den Link zum Podcast:
Reichsbürger: Ideologie, Identität und Irrglauben
Ein Podcast zum Reichsbürgermilieu
